Männer, Töpfe & große Gefühle
Locke, Sascha und arno kochen mit Herz
In dieser Ausgabe übernehmen die Männer unserer Redaktion den Herd – und mit ihnen kommen Rezepte auf den Tisch, die sonst tief in Familiengeschichten verborgen liegen. Arno, Sascha und Locke holen Gerichte hervor, die nach Sonntagen, nach „Nimm dir noch etwas“ und nach „Weißt du noch…?“ schmecken.
Bodenständig, kraftvoll und ehrlich kochen sie sich durch ihre Erinnerungen:
Arno mit seinem nordisch geerdeten Wohlfühlgericht, Sascha mit einem Eintopf, der leise von Wärme und Geborgenheit erzählt, und Locke mit einem Chili, das längst Legendenstatus in der Familie hat. Am Ende geht es nicht nur um das, was im Topf landet, sondern um das, was bleibt, wenn die Teller leer sind: das Gefühl, ein Stück Herkunft und Herz geteilt zu haben.
Kochen mit Locke
Feuer aus der Familienküche
Ein Chili, das mit jedem Jahr besser wird
Es gibt Gerichte, die einen ein Leben lang begleiten. Dieses Chili gehört für mich dazu. Seit Jahren feile ich daran, probiere Nuancen aus und mache es jedes Mal ein wenig besser. In meiner Familie bin ich inzwischen dafür bekannt – vielleicht, weil es nicht nur scharf ist, sondern nach Zuhause schmeckt und Menschen an einen Tisch bringt.
Kochzeit: ca. 60 Min.
Zutaten für 4 Personen
1 TL Chiliflocken (leicht gehäuft)
0,5 TL Zucker
0,5 TL Cayennepfeffer
1 TL Paprika edelsüß (leicht gehäuft)
1 TL Paprika rosenscharf (leicht gehäuft)
1 TL Kreuzkümmel (leicht gehäuft)
1 Stück Zimtstange
3 TL Tomatenmark
0,5 TL schwarzer Pfeffer
0,5 TL Salz
1,5 Stück rote Paprika, gewürfelt
2 Stück große weiße Zwiebeln, gewürfelt
2 große Zehen frischer Knoblauch, sehr fein geschnitten
1 große Karotte
1 Glas Rinderfond
20 g Butter
750 g Rinderhack
300 g Mais
800 g Kidneybohnen
400 g passierte Tomaten
400 g Tomatenstücke
Zubereitung
Chiliflocken vorbereiten
Chiliflocken in etwas Wasser einweichen
Beiseitestellen
Hackfleisch anbraten
Hälfte des Hackfleischs mit Butter bei mittlerer Hitze langsam anbraten
Goldbraune Röstaromen entstehen lassen
Mit etwas Fond das Anbrennen verhindern
Mit Fond ablöschen und Pfannensatz lösen
Zwiebeln, Knoblauch und restliches Hack dazugeben
Zwiebeln und Knoblauch hinzufügen
Restliches Hackfleisch dazugeben
Alles kräftig anbraten, nicht zu fein zerkleinern
Mit Fond ablöschen
Mit dem restlichen Rinderfond ablöschen
Zutaten hinzufügen
Alle restlichen Zutaten außer Zucker in den Topf geben
Gut verrühren
Köcheln lassen
Ca. 60 Minuten sanft köcheln lassen
Bei Bedarf etwas Wasser nachgießen
Wenn zu sauer: mit max. 0,5 TL Zucker ausgleichen
Zimt entfernen
Nach spätestens 60 Minuten die Zimtstange herausnehmen
Serviertipp
Chili ein paar Minuten ruhen lassen
Dazu passen Reis, knuspriges Brot oder Crème fraîche
Kochen mit Sascha
Vergessenes Wintergericht
Die Rückkehr eines fast verlorenen Klassikers
Ein kulinarischer Ausflug in den Südwesten und die Mitte Deutschlands
Es ist ein Gericht, das den Namen „Hopp-in-de-Pott“ oder schlicht „Eingemachtes Kalbfleisch“ (auch als „Weißes Ragout“ bekannt) trägt.
In einer Zeit, in der „Frikassee“ oft nur noch aus der Tiefkühltruhe kommt, ist dieses echte, traditionelle Ragout fast von den Speisekarten verschwunden. Dabei ist es die Krönung der winterlichen Sonntagsküche.
Die weiße Perle der Winterküche: Eingemachtes Kalbfleisch
Festlichkeit in den kalten Monaten
Während die Rumfordsuppe für einfache Stärkung stand und „Birnen, Bohnen und Speck“ für das Spiel der Kontraste, repräsentiert das Eingemachte Kalbfleisch die Festlichkeit der kalten Monate.
Früher wurde es im Winter zu Hochzeiten oder am ersten Weihnachtstag serviert – edel, hell und von einer fast vergessenen Sanftheit.
Die Geschichte eines Sonntagsglücks in Weiß
Die Kunst des Einmachens
Die Kunst des „Einmachens“ (hier im Sinne von sanftem Einkochen in einer hellen Sauce) stammt aus einer Epoche, in der man Fleischqualität durch stundenlanges, schonendes Simmern würdigte.
Es war das Gegenstück zu den schweren, dunklen Bratensoßen. Die helle Sauce, verfeinert mit Zitrone und Kapern, sollte Licht in die dunkle Jahreszeit bringen.
Dieses Gericht erfordert Geduld – belohnt aber mit einer Zartheit, die in der heutigen Fast-Food-Welt kaum noch zu finden ist.
Klassisches Eingemachtes Kalbfleisch
Ein Gericht, das von Qualität und Sorgfalt lebt
Kochzeit: ca. 90 Min.
800 g Kalbfleisch (Schulter oder Hals), in 3 cm große Würfel geschnitten
1 Bund Suppengrün (Sellerie, Karotten, Lauch)
1 Zwiebel, mit 2 Nelken und 1 Lorbeerblatt gespickt
50 g Butter
50 g Mehl
150 ml Sahne
1 Eigelb (zum Legieren)
Saft einer halben Zitrone
2 EL Kapern (non-pareilles)
Salz, weißer Pfeffer, eine Prise Zucker
Optional: frische Champignons, in Scheiben gedünstet
Das Fleisch garen:
Kalbfleisch in einen Topf geben
Mit kaltem Wasser bedecken
Aufkochen lassen
Schaum sorgfältig abschöpfen (für eine klare Sauce)
Die Aromen:
Suppengrün hinzufügen
Gespickte Zwiebel dazugeben
60–80 Minuten bei sanfter Hitze simmern lassen
Fleisch garen, bis es butterweich ist
Die helle Sauce:
Fleisch herausnehmen und warm stellen
Sud durch ein feines Sieb gießen
In einem neuen Topf Butter schmelzen
Mehl einrühren (helle Mehlschwitze)
Nach und nach ca. 500 ml Fleischsud zugeben
Ständig rühren, damit keine Klümpchen entstehen
Verfeinern:
Sahne unterrühren
Sauce ca. 10 Minuten köcheln lassen
Kapern hinzufügen
Optional: gedünstete Champignons zugeben
Die Krönung – Legieren:
Topf vom Herd nehmen
Eigelb mit etwas warmer Sauce verquirlen
Vorsichtig unter die nicht mehr kochende Sauce rühren
Für seidigen Glanz sorgen
Abschmecken:
Mit Zitronensaft verfeinern
Mit Salz und weißem Pfeffer abschmecken
Eine Prise Zucker hinzufügen
Fleisch zurück in die Sauce geben
Serviervorschlag:
Traditionell mit hausgemachten Spätzle
Alternativ mit Salzkartoffeln
Dazu passt ein klassischer Kopfsalat
Kochen mit Arno
Ein Topf voller Erinnerungen
Ein Gericht, das Geschichten weiterträgt
Es gibt Rezepte, die mehr sind als eine Abfolge von Zutaten und Handgriffen. Sie tragen Stimmen in sich, Gesten, Gerüche, ganze Generationen. In unserer Familie gehört dieses Gericht dazu – ein kleines kulinarisches Erbstück, das seinen Weg aus den windgepeitschten Highlands Schottlands bis in unsere norddeutsche Küche gefunden hat.
Meine schottischen Vorfahren erzählten immer, dass gutes Essen Menschen zusammenbringt, egal wie weit sie voneinander entfernt leben. Und so wurde dieses Gericht über die Jahre zu einem festen Bestandteil unserer Familientafel: mal schlicht, mal festlich, aber immer mit dem Gefühl von Heimat und Verbundenheit. Jedes Mal, wenn ich es zubereite, habe ich das Gefühl, ein Stück dieser Geschichte weiterzutragen – Löffel für Löffel, Duft für Duft, Erinnerung für Erinnerung.
Irish Stew
Wärmend, ehrlich und voller Tradition
Kochzeit: ca. 90 Min.
800 g Lammkeule oder Lammschulter, in grobe Würfel geschnitten
800 g mehligkochende Kartoffeln
4 Stück Karotten
2 Stück Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch
1 Stange Lauch
½ Knolle Sellerie (optional, aber klassisch)
ca. 1,2 Liter Lamm- oder Gemüsebrühe
2 Stück Lorbeerblätter
2–3 Zweige frischer Thymian
nach Geschmack Salz und schwarzer Pfeffer
1 EL Butter oder Rapsöl
½ Bund Petersilie, gehackt
Vorbereitung
Kartoffeln schälen und halbieren oder vierteln
Karotten in Scheiben schneiden
Zwiebeln grob würfeln
Lauch in Ringe schneiden
Sellerie würfeln
Lammfleisch trocken tupfen und leicht salzen
Anbraten
In einem großen Schmortopf Butter oder Öl erhitzen
Lammfleisch portionsweise kräftig anbraten, bis es Farbe bekommt
Zwiebeln und Knoblauch hinzufügen
Kurz mitdünsten
Schichten und Schmoren
Kartoffeln, Karotten, Lauch und Sellerie zum Fleisch geben
Mit Brühe aufgießen, bis alles gut bedeckt ist
Lorbeerblätter und Thymian einlegen
Einmal aufkochen lassen
Hitze reduzieren
Zugedeckt ca. 1,5 Stunden sanft köcheln lassen, bis Fleisch butterzart ist und Kartoffeln leicht zerfallen
Abschmecken
Mit Salz und Pfeffer fein abschmecken
Lorbeerblätter entfernen
Mit gehackter Petersilie bestreuen
Serviertipp
Irish Stew ein paar Minuten ruhen lassen
Dazu passt kräftiges Bauernbrot oder dunkles Roggenbrot