Wenn ein Leben im Klang erzählt wird

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Wenn ein Leben im Klang erzählt wird

Wie Musik einen Menschen trägt
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Auf mei­nem Weg, mein Leben nach der Musik aus­zu­rich­ten, fand ich Klaus. Klaus, der von klein auf sein gan­zes Leben der Musik gewid­met hat, kann nun im Ren­ten­al­ter auf vie­le schö­ne Erin­ne­run­gen zurück­bli­cken. Musik prägt seit mitt­ler­wei­le 68 Jah­ren sei­nen All­tag.

Musik – mehr als Bühne, Glanz und große Namen

Aber betrach­ten wir erst ein­mal das Gesamt­bild. Wenn wir an Musi­ker den­ken, kom­men uns Bil­der von gro­ßen Diri­gen­ten in den Kopf, von Super­stars, die vor Mil­lio­nen­pu­bli­kum eine mit Feu­er­werk und Lich­tern bestück­te Show ablie­fern, von Songs wie „Last Christ­mas“, die sich jedes Jahr wie­der­ho­len und so einen Teil unse­res Kul­tur­ver­ständ­nis­ses und ein biss­chen einen Teil unse­rer Iden­ti­tät aus­ma­chen.

Natür­lich bil­den die­se die Spit­ze des Eis­bergs und damit den sicht­ba­ren Teil. Das ist auch gut so, tra­gen sie doch har­mo­ni­sche Fre­quen­zen selbst in das ver­schlos­sens­te Herz.

Die verborgene Welt der Musik

Der Groß­teil der Musik spielt sich aller­dings im Ver­bor­ge­nen ab.

Das Kind, wel­ches nach wochen­lan­ger Übung bei einer Schul­auf­füh­rung all sei­ne Emo­tio­nen in die Gei­ge lei­tet und dadurch allen Besu­chern einen ver­zau­ber­ten Nach­mit­tag schenkt.

Der Arbei­ter, der bei sei­nem wöchent­li­chen Chor­trai­ning all sei­ne Stär­ke in die Ton­lei­tern steckt und somit sei­ne Erleb­nis­se der Woche her­aus­po­saunt.

Oder Klaus, der die Chan­ce bekommt, an einer Orgel zu erle­ben, wie vie­le Klang­far­ben den Raum und Geist erhel­len kön­nen, fort­an täg­lich übt und sei­ne Beru­fung gefun­den hat.

Sie alle stre­ben nicht nach Ruhm und einem Mil­lio­nen­pu­bli­kum.
Sie wol­len Töne erle­ben.
Sie inter­pre­tie­ren die Gefüh­le und Gedan­ken, die von ande­ren Künst­lern auf einem Noten­blatt ein­ge­fan­gen wur­den.
Sie hau­chen der Musik ein indi­vi­du­el­les und ein­zig­ar­ti­ges neu­es Leben ein.

Wenn Noten zu Geschichten werden

Natür­lich ist eine Note immer „nur“ eine Note, und das Musik­stück gibt klar vor, wann sie gespielt wer­den soll. Aber leben­dig wird die Kom­po­si­ti­on erst durch die Augen des Musi­kers.

Spielt man den Ton sanft oder hart an?

Lässt man die Töne davor seicht her­vor­kom­men und voll­zieht bei besag­tem Ton eine Wen­de, indem man dem Kla­vier­ham­mer mehr Schwung ver­leiht?

Was mag sich der Kom­po­nist dabei gedacht haben?

Jede Inter­pre­ta­ti­on eines musi­ka­li­schen Wer­kes ist auf der einen Sei­te nur das Spie­len von Tönen. Doch hört man genau­er hin, lernt man, auf die fei­nen Nuan­cen der Per­sön­lich­keit des Spie­lers zu ach­ten. Man öff­net damit die Tür zu einer neu­en Welt, die so sinn­lich und viel­fäl­tig ist wie das Leben selbst.

Klaus – ein Leben im Dienst der Musik

Klaus ist jemand, der die­se Tür schon vor mehr als 60 Jah­ren geöff­net hat. Die­se Ent­schei­dung bestimm­te sein Leben.

Die Frei­zeit geprägt vom Chöre­lei­ten, Orgel­spie­len und Kla­vier­un­ter­richt führ­te beruf­lich zum Musik­stu­di­um, zum Dia­kon und Kir­chen­mu­si­ker und schließ­lich zum Musik­leh­rer, wo er in 40 Jah­ren Tau­sen­den von Men­schen hel­fen konn­te, eben­falls die Tür zu den Klän­gen zu öff­nen.

Man­che waren nicht erreich­bar für das, was sie dort sahen, oder taten es als tri­vi­al ab. Aber vie­le ande­re wur­den – wie er selbst – inspi­riert, die­sen Weg als ihr Lebens­ziel anzu­se­hen.

Ein erfülltes Ziel, das weiterklingt

Klaus ist nun Rent­ner, inter­pre­tiert wei­ter­hin auf sei­ner Orgel oder sei­nem Kla­vier Musik­stü­cke, die sein Herz erfül­len, und lauscht, wie sich selbst beim hun­derts­ten Nach­spiel klei­ne Din­ge ver­än­dern, die dann eine neue Gesamt­har­mo­nie erge­ben.

Wenn man ihn reden hört, fühlt man schnell einen Hauch der Magie, die ihn ein­ge­fan­gen hat – und die ihm nun die Gewiss­heit gibt, bis­her ein voll­ends erfül­len­des Lebens­ziel gefun­den zu haben.

Dan­ke, dass ich mei­nen Ein­druck mit euch tei­len durf­te, und wie immer ste­he ich euch hier für Anre­gun­gen oder Kri­tik zur Ver­fü­gung.

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Man hört nicht nur Musik – man begegnet sich selbst.

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