Hinter Türen, die wir selten öffnen
Wo Musik und Menschlichkeit sich begegnen
Die Geschichten hinter den Häusern
Manchmal wandere ich durch die Straßen, sehe die Häuser, und hinter jeder Tür versteckt sich eine besondere Lebensgeschichte. Wie gerne wäre ich hie und da Mäuschen, um zu sehen, welche Menschen und Ansichten, ja gar welche eigenen Welten dort zu finden sind. So auch in einem Fall in Bordesholm, den ich euch heute gerne einmal näherbringen möchte.
Eine alte Bekanntschaft, eine neue Tür
Mit 15 habe ich Michael kennengelernt, der damals schon mit Hip-Hop-Musik zu tun hatte. Nun hatte ich allerdings wenig mit ihm zu tun, und so geriet er bei mir in Vergessenheit. Neulich trafen wir uns zufällig wieder, und eine der so oft verschlossenen Türen wurde mir freundschaftlich geöffnet.
Eine Liebe wie aus einem Lied
Michael hat seine damalige Freundin Swantje geheiratet, und beide haben mittlerweile ein Kind. Eine romantische Jugendliebe, die sich bis in die Unendlichkeit zu erstrecken scheint. Ein Hauch von Bilderbuch.
Zwei Künstler – ein Klang
Musikalisch haben beide mittlerweile ein ganzes Sortiment an Fähigkeiten in ihrem Werkzeugkasten angesiedelt. Während Michael eher der Rapper, Beatbastler und Produzent von Musik, einem Hörbuch und sogar einem Computerspiel ist, ist Swantje eine Sängerin, die ein Dutzend Instrumente spielen kann und eher im Jazz-/Swing-Milieu anzutreffen ist.
Häufig schreibt Michael seine Gedanken auf, die Swantje dann mit Emotionen versieht und akustisch auf ihre Reise schickt. Eine geballte Power, denn beide haben schon als Kinder angefangen, sich mit Musik zu beschäftigen. Mike war schon immer ein Kreativkopf, während Swantje viel Unterricht und einige Auftritte hatte.
Musik als Lebensform
Beide leben Musik. Fernab von Erfolg, Ruhm oder Geld findet man hier Gefühl, Seele und Authentizität. Beide machen Musik in erster Linie für sich selbst. Natürlich veröffentlichen sie auch Lieder – und wer hat nicht gerne Zuspruch –, aber beiden geht es um die Freude bei der Erstellung oder dem Einüben neuer Stücke. Bereichert wird diese Lebensweise, wenn sich doch einmal auf der Kieler Woche oder auf einer Untergrund-Jam ein Auftritt ergibt.
Kunst, Beruf und ein kleiner Wirbelwind
Auf die Frage, wie man Beruf und Kunst unter einen Hut bekommt, fangen beide an zu lachen. Mit dem Beruf ginge es vielleicht noch, aber mit einem dreijährigen Kind wird es fast unmöglich. Nachher sind es kleine Zeitfenster, die man sich erkauft, wenn der Kleine mal außer Haus ist. Aber je älter er wird, desto mehr kann man ihn mit ins Studio nehmen, wo er dann begeistert die kreative Atmosphäre aufsaugt.
Als ich das aufgeweckte Kerlchen kennengelernt habe, konnte ich live mitbekommen, wie er versucht, den Gesang oder den Rap nachzuahmen. In zehn Jahren werde ich wohl ein Interview mit ihm führen müssen… 🙂
Eine Tür, die offen bleibt
Nach einem Abend voller tiefgründiger Gespräche und der Vorfreude, auch zu dritt den musikalischen Weg ein wenig zusammen zu beschreiten, ziehe ich die Haustür zu, lasse aber die Tür in meinem Herzen offen. Auf dem Weg heim fühlt es sich gut an, nun das Geheimnis hinter einer der vielen Türen um mich herum gelüftet zu haben. Innerlich stelle ich mir die Frage, wie viele dieser Eingänge zu einer ähnlich wohlwollenden und kreativen Aura führen.
In den Nachrichten bekommt man oft ein negatives Bild vermittelt, doch trifft man auf diese Kleinfamilie, sieht man ein Stück Frieden, wie es den meisten Zeitungen keine Schlagzeile wert ist. Für mich sind es genau diese Geschichten, die einem zeigen, was Menschlichkeit eigentlich bedeutet.