Was ist eigentlich Schamanismus?

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Wini Schamanismus Vorschau NORDISCHLIFESTYLE 022026

Was ist eigentlich Schamanismus?

Ein alter Weg, der uns lehrt, wieder zu sehen

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In den letz­ten Jahr­zehn­ten hat sich ein regel­rech­ter Scha­ma­nis­mus-Boom ent­wi­ckelt, der neben den vie­len posi­ti­ven Ent­wick­lun­gen auch reich­lich War­nun­gen auf den Plan geru­fen hat. Natür­lich muss jeder Mensch selbst ent­schei­den, wel­chen Weg er gehen möch­te und wel­che Risi­ken er dabei ein­ge­hen mag. Eigen­ver­ant­wort­lich­keit ist ein wesent­li­ches The­ma unse­rer Zeit. Wer auf der Suche ist, hat aber zunächst wenig bis gar kei­ne Ahnung, was sich hin­ter all den wun­der­bar klin­gen­den Ankün­di­gun­gen und fan­tas­tisch anmu­ten­den Heils­ver­spre­chen ver­birgt.

Aus mei­ner Sicht nach mehr als 30 Jah­ren Erfah­rung ist scha­ma­ni­sche Arbeit nur dann sinn­voll (weil dau­er­haft wirk­sam), wenn sie all­tags­taug­lich ist und sich nicht pri­mär in sen­sa­tio­nel­len Zere­mo­nien und Wochen­end-Semi­na­ren erschöpft. Wer sich wirk­lich inner­lich ent­wi­ckeln möch­te und ernst­haf­te Impul­se für sein Leben sucht, wird Freu­de an scha­ma­ni­scher Arbeit haben und indi­vi­du­el­le Erfol­ge erzie­len.

Aber was ist denn nun eigent­lich der Unter­schied zwi­schen Scha­ma­nis­mus und Scha­ma­nis­mus?

Ursprünglicher Schamanismus

Scha­ma­nis­mus gibt es bereits sehr lan­ge. Schon in der Stein­zeit fin­den sich Spu­ren scha­ma­ni­schen Wir­kens als Ver­mitt­lung zwi­schen der all­täg­li­chen und der nicht-all­täg­li­chen Wirk­lich­keit, wel­che nur in einem erwei­ter­ten Bewusst­seins­zu­stand erfah­ren wer­den kann.

Scha­ma­nen und Scha­ma­nin­nen sind die Ver­mitt­ler zwi­schen die­sen bei­den Wirk­lich­keits­ebe­nen. Ihre Auf­ga­be ist es, zu hei­len, Rat aus der „Anders­welt“ für sich und ande­re von ihren scha­ma­ni­schen Rei­sen /​Tran­ce­rei­sen mit­zu­brin­gen, aber auch bei Über­gän­gen zu beglei­ten und Zere­mo­nien zu lei­ten. Sie ver­mit­teln also zwi­schen Men­schen und Geis­ter­welt, wenn es not­wen­dig ist. Für die­se hei­li­ge Lebens­auf­ga­be wur­den und wer­den sie von ihrer Gemein­schaft geehrt, mit­un­ter auch gefürch­tet.

Scha­ma­nis­mus hat sich durch die Jahr­tau­sen­de in nahe­zu allen Tei­len der Welt bewährt, auch wenn der Teil der mensch­li­chen Bevöl­ke­rung, der sich für die moder­ne­re Zivi­li­sa­ti­on hält, ihn im Zuge einer wach­sen­den Wis­sen­schafts­gläu­big­keit mehr und mehr als Folk­lo­re abtat. Inzwi­schen ist längst ein neu­es Inter­es­se an dem alten Wis­sen erwacht, und so erhal­ten das scha­ma­ni­sche Wir­ken und die boo­men­den – lei­der nicht sel­ten sehr frag­wür­di­gen – Scha­ma­nis­mus-Schu­len regen Zulauf.

Core-Schamanismus

Die Grün­der der Foun­da­ti­on for Shama­nic Stu­dies (FSS) haben sich sehr inten­siv und sehr wert­schät­zend mit Scha­ma­nin­nen und Scha­ma­nen in ver­schie­de­nen Kul­tur­krei­sen aus­ein­an­der­ge­setzt und geben ihr Wis­sen und ihre Erfah­run­gen seit vie­len Jah­ren – soweit ich das beur­tei­len kann – ver­ant­wor­tungs­be­wusst und sinn­voll wei­ter.

Neben der Wei­ter­ga­be ist auch die Erfor­schung und der Erhalt scha­ma­ni­schen Wis­sens zum Woh­le aller erklär­tes Ziel der FSS. Es geht hier nicht dar­um, eine Kul­tur aus ihrem Zusam­men­hang zu rei­ßen und als Fremd­kör­per in eine ande­re zu pflan­zen, son­dern dar­um, die nahe­zu uni­ver­sel­len Grund­prin­zi­pi­en und Tech­ni­ken des Scha­ma­nis­mus segens­reich anzu­wen­den.

Die­se Form der scha­ma­ni­schen Arbeit ist für mich die respekt­volls­te allen Betei­lig­ten gegen­über und lässt sich ganz natür­lich in allen Tei­len der Welt prak­ti­zie­ren und ist ent­spre­chend sehr wirk­sam und hilf­reich in vie­len Situa­tio­nen.

Des­halb ist auch mein scha­ma­ni­scher Weg der Ver­mitt­lung des­sen, was ich im Lau­fe von Jahr­zehn­ten von Scha­ma­nen und Scha­ma­nin­nen unter­schied­li­cher Her­kunft habe ler­nen dür­fen, an den uni­ver­sel­len Prin­zi­pi­en aus­ge­rich­tet.

Neo-Schamanismus

In den Sieb­zi­ger­jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts erwach­te durch fan­tas­ti­sche Bücher über das außer­ge­wöhn­li­che Leben von Scha­ma­nen und Medi­zin­leu­ten indi­ge­ner Völ­ker ein aben­teu­er­lus­ti­ges Inter­es­se an die­ser frem­den, magi­schen Welt­an­schau­ung und Lebens­wei­se.

Bewusst­seins­er­wei­tern­de Dro­gen wur­den beson­ders inter­es­sant, und von Fern­rei­sen brach­ten eini­ge Begeis­ter­te fas­zi­nie­ren­de Zere­mo­nien und Tech­ni­ken mit, die sie oft natür­lich nur flüch­tig ken­nen­ge­lernt und sel­ten wirk­lich ver­stan­den hat­ten.

Ohne ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Anlei­tung und inten­si­ve lang­jäh­ri­ge Aus­bil­dung (min­des­tens ein Jahrs­iebt!) fühl­ten sich Men­schen beru­fen, plötz­lich Scha­ma­nen und Scha­ma­nin­nen zu sein und ande­re mit Heil­ver­spre­chen in ihre „Behand­lung“ zu locken.

Im Lau­fe der Jah­re habe ich lei­der nicht weni­ge Men­schen ken­nen­ge­lernt, die z. B. durch unbe­glei­te­tes scha­ma­ni­sches Rei­sen, durch Ver­wen­dung bewusst­seins­er­wei­tern­der Dro­gen oder nach skur­ri­len Ritua­len psy­cho­ti­sche Pha­sen durch­le­ben muss­ten und des­halb län­ge­re Kli­nik­auf­ent­hal­te hin­ter sich hat­ten.

Das Her­un­ter­spie­len der Risi­ken und der sträf­lich leicht­sin­ni­ge Umgang mit kom­ple­xen Metho­den trägt aus mei­ner Sicht nicht unwe­sent­lich dazu bei, Scha­ma­nis­mus in der öffent­li­chen Mei­nung in Miss­kre­dit zu brin­gen.

„Plastik-Schamanismus“

Nicht min­der frag­wür­dig ist der Trend, ver­meint­lich authen­ti­schen Scha­ma­nis­mus eines – meist ame­ri­ka­ni­schen – Volks­stam­mes in Euro­pa mit einer Ernst­haf­tig­keit zu zele­brie­ren, als wür­de er hier in unse­ren Kul­tur­kreis gehö­ren.

Meist haben die­se begeis­te­rungs­fä­hi­gen Men­schen in bes­ter Absicht von „ech­ten India­nern“ (meist aller­dings kei­ne Schaman*innen!) so zau­ber­haf­te Metho­den wie Schwitz­hüt­ten nach ganz rigi­den Maß­ga­ben und stren­gen Regeln gelernt und gren­zen sich damit von ihrer eige­nen Gesell­schaft ab, ohne aller­dings zu der adap­tier­ten dazu­zu­ge­hö­ren.

Gewich­ti­ger noch ist für mich, dass die indi­ge­nen Völ­ker den „Raub“ und Miss­brauch ihrer Kul­tur miss­bil­li­gen. Bereits 1993 ist von ihnen unter der Lei­tung der Lako­ta eine Kriegs­er­klä­rung an alle aus­ge­spro­chen wor­den, die ohne Stam­mes­zu­ge­hö­rig­keit und außer­halb des Stam­mes­ge­bie­tes ihre hei­li­gen Zere­mo­nien nut­zen und dadurch ent­wei­hen.

Sie nen­nen die eige­nen Stam­mes­an­ge­hö­ri­gen, die das alte Wis­sen gegen Geld an Außen­ste­hen­de „ver­kau­fen“, und die­je­ni­gen, die es „kau­fen“ und anwen­den, „Plas­tik-Scha­ma­nen“. Ich fin­de, die­ser Begriff spricht für sich!

Fazit

Mei­ne scha­ma­ni­sche Arbeit basiert wie im Core-Scha­ma­nis­mus auf uni­ver­sell gül­ti­gen ener­ge­ti­schen Prin­zi­pi­en, die ich von groß­ar­ti­gen Män­nern und Frau­en aus aller Welt habe ler­nen dür­fen. Sie ist nicht auf kurz­fris­ti­ge Exklu­si­vi­tät, son­dern auf All­tags­taug­lich­keit und lang­fris­ti­gen Segen aus­ge­rich­tet.

Aus Respekt vor und uner­mess­li­cher Wert­schät­zung für die Scha­ma­nin­nen und Scha­ma­nen indi­ge­ner Völ­ker ach­te und ehre ich die Wür­de und damit auch die Abgren­zung ihrer Kul­tur gegen­über ande­ren.

Ich bin dank­bar, eini­ge all­ge­mein gül­ti­ge (aber in Ver­ges­sen­heit gera­te­ne) ener­ge­ti­sche Tech­ni­ken für das Leben in West­eu­ro­pa nut­zen zu kön­nen, ohne damit ihre Gren­zen zu ver­let­zen. Wir brau­chen kei­ne exo­ti­sche Spra­che und auch kei­ne frem­de Folk­lo­re, um in der „alten Welt“ scha­ma­nisch tätig zu sein. Das gab es auch hier schon immer. Wir hat­ten es nur ver­ges­sen.

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Manchmal führt uns der älteste Weg am klarsten zurück zu uns selbst.

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